Innung Aktiv

 

24.04.2018

Nachwuchssorgen des Handwerks auch hausgemacht

 

Fleischerinnung Ludwigsburg rät dazu, Werbung für Nachwuchs im eigenen Umfeld machen

 

Sachsenheim. Im Bericht des Obermeisters ging Wolfgang Herbst auf die aktuellen Themen ein, die die Branche bewegen, darunter die Datenschutzverordnung, bei deren Umsetzung Hilfe durch den Landesinnungsverband zu erwarten ist. Da die Ferkelkastration ab 2019 nur noch unter Betäubung gestattet ist, sei zu befürchten, dass die Ferkelerzeugung und Schweinemast in Nachbarländer ausgelagert wird, wo dieser deutsche Alleingang niemanden interessiere. Man hoffe nun auf die Erlaubnis für Bauern, ihre Ferkel selbst zu kastrieren, damit regionale Schweinehaltung überhaupt noch möglich sei. In seiner Funktion als Landeslehrlingswart klärte Wolfgang Herbst die Versammlungsteilnehmer darüber auf, dass es keinen Bundesleistungswettbewerb mehr geben wird. Man habe die Bildung einer Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks initiiert, der diejenigen angehören können, die sich bei Leistungswettbewerben auf Landesebene qualifiziert haben und bei einem separaten Casting punkten konnten. „Leider gab es Irritationen durch einen eingetragenen Verein, der als Team Germany aufgetreten ist. Sowohl die Presse, als auch Sponsoren, nahmen an, der Verein sei unsere Nationalmannschaft und reagierten, nach Klarstellung durch den Deutschen Fleischerverband, verunsichert.“ Obermeister Herbst bat die Kollegen, ihm guten Nachwuchs zu melden, da dieser die Chance bekommen kann, sich in der Nationalmannschaft einzubringen.

 

Lehrlingswart Frank Siegle berichtete von geringen Ausbildungszahlen sowie dem daraus resultierenden Aus für den Schulstandort Ludwigsburg. Die beiden noch in Ausbildung befindlichen Jahrgänge werden bis zur Prüfung unterrichtet, neu eingeschult wird nicht mehr. Als Alternativen stehen die Schulen in Heilbronn, Backnang und Stuttgart zur Verfügung. Frank Siegle riet, zu prüfen, welcher dieser Standorte für die Azubis am günstigsten zu erreichen ist und dorthin auszuweichen.

 

Obermeister Wolfgang Herbst rief die Kollegen und Kolleginnen auf, vor Ort, in ihrem eigenen Umfeld aktiv für Nachwuchs zu werben: „In sozialen Medien, in Ihrer eigenen Werbung, in Ihrem eigenen Umfeld!“ Er selbst macht seit Jahren beim Kinderferienprogramm mit und bietet Kindergartenkindern einen „Mini-Meister-Kurs“ in seiner Wurstküche an, bei dem sie Maultaschen oder Saitenwürstchen selbst herstellen dürfen. „Das sind nicht die Azubis von morgen. Aber vielleicht von Übermorgen. Und wenn die begeisterten Kinder ihre Kreationen aus der Wurstküche daheim präsentieren, sei ein gutes Stück positiver Imagearbeit an ihren Eltern geleistet, so Wolfgang Herbst. Das Handwerk generell sei nicht unschuldig an seinen Nachwuchsproblemen, haben viele Familien ihren eigenen Kindern doch stets gesagt, sie sollten „mal was Besseres“ werden und ihnen nicht Freude am Beruf und dem Gewerk vorgelebt, sondern im Gegenteil, ihnen abgeraten, in die elterlichen Fußstapfen zu treten. Aber wie solle man andere Leutes Kinder motivieren, einen Beruf im Handwerk zu ergreifen, wenn man diesen den eigenen Kindern nicht empfiehlt?  Hier riet er dringend zum Umdenken, „schließlich haben wir wunderschöne, kreative Berufe im Handwerk, auf die wir mit Fug und Recht stolz sein dürfen.“ Die Freude am eigenen Gewerk gelte es zu transportieren und potentiellem Nachwuchs zu vermitteln: „Wir brauchen nicht nur Akademiker im Land, sondern eben auch Handwerker!“

Alles richtig gemacht zu haben scheint Ulrich StirnerSinn. Seine beiden Kinder, Tochter Elke und Sohn Gunther, haben Berufe im Fleischerhandwerk ergriffen. Und auch Enkelin Anna hat Freude an den kreativen Berufen im Fleischerhandwerk und ergriff nach dem Abitur in eine entsprechende Ausbildung. Gunther StirnerSinn ist heute Geschäftsführer der Kronenmetzgerei in Gerlingen, die sich seit 1920 unter Regie der Familie befindet. Seniorchef Ulrich StirnerSinn wurde von der Handwerkskammer Region Stuttgart anlässlich seines 50-jährigen Meisterjubiläums mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt. Im Kreise seiner Innung wurde dieser ihm von Obermeister Herbst überreicht, der ganz herzlich zum Jubiläum und zur Lebensleistung von Ulrich StirnerSinn gratulierte.
   


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Frühjahrsversammlung 2017 mit Betriebsbesichtigung

Innung Ludwigsburg traf sich bei Metzgerei Franz Bock und widmet sich aktuellen Branchenthemen

 

Unterriexingen. Tagungsort der diesjährigen Frühjahrsversammlung der Innung Ludwigsburg war der Betrieb von Familie Bock in Unterriexingen. Die drei Töchter des verstorbenen Unternehmensgründers Franz Bock, Gabi Lenz, Andrea Huber und Sandra Häussler, zusammen mit ihrem Mann Jörg Häussler, bilden die Geschäftsleitung. Sie beschäftigen rund 50 Mitarbeiter/innen und beliefern aus ihrer modernen und hervorragend ausgestatteten Produktion Firmenkunden, Vereine und Privatkunden, welche natürlich auch im Unterriexinger Fachgeschäft einkaufen können. Ein Großteil des Sortiments der Firma Franz Bock besteht aus SB-Einheiten, die für Wiederverkäufer hergestellt, abgepackt und konfektioniert werden. Die Teilnehmer an der Innungsversammlung, die in zwei geführten Gruppen den Betrieb besichtigen durften, zeigten sich beeindruckt von der Größe des Kollegenbetriebes, seiner hochmodernen Ausstattung und seiner durchdachten Logistik und vorbildlichen Sauberkeit. Obermeister Wolfgang Herbst lobte: „Wir freuen uns, dass wir einen so großen und so beeindruckenden Betrieb als Mitglied unserer Innung haben.“ Im Anschluss an die Betriebsbesichtigung traten die Kollegen/innen in der Kantine des Hauses Bock zur Versammlung zusammen. Erneut waren über Zweidrittel der Mitglieder schienen, hob Obermeister Herbst hervor und dankte den Teilnehmern für ihr zahlreiches Erscheinen. In seinem Bericht ging er auf Themen ein, die die Branche bewegen. Zum Thema Ferkelkastration, die in Deutschland künftig nur noch unter Betäubung, umstritten sei noch welcher Art, durchgeführt werden darf, prognostizierte Wolfgang Herbst, dass die Ferkelproduktion der Global Player wohl künftig ins Ausland verlagert werde, wo diese Vorschrift nicht gilt. Wichtig war ihm der Hinweis auf das Mindestgewicht der Ladenwagen: Diese sind erst ab 40 Gramm geeicht, wenn also jemand zwei Scheibchen Wurst im Laden verlange, begehe der Betrieb eine Ordnungswidrigkeit, also einen Verstoß gegen das Eichgesetz. Er empfahl dringend, ein Schild an der Kasse bzw. im Laden anzubringen, mit dem Hinweis auf eine Mindestabgabemenge in Höhe von 40 Gramm.

Lehrlingswart Frank Siegle berichtete von der vergangenen Zwischenprüfung, bei der gute Ergebnisse erzielt wurden, aber die Zahl der Prüflinge die bedenkliche Ausbildungssituation zeige: Je drei Prüflinge gab es bei den Fleischer/innen und bei den Verkäufer/innen. Derzeit befinden sich im Ausbildungsgang Fleischer vier im ersten Jahr, drei im zweiten Jahr und sechs im dritten Lehrjahr. Bei den Verkäufer/innen werden im Innungsgebiet im ersten Lehrjahr fünf beschult, im zweiten drei und im dritten sind es 10 angehende Verkäufer/innen. Es werden, so Wolfgang Herbst, aufgrund der rückläufigen Ausbildungszahlen, die Schulstandorte neu diskutiert und, wegen der möglicherweise für die Azubis zu weiten Schulwege, auch Blockbeschulung angeboten werden müssen. Zur Nachwuchswerbung habe der DFV gute Werbemittel, die von den Betrieben genützt werden sollten. Entscheidend dafür, ob ein Betrieb Azubis und Mitarbeiter findet, sei allerdings sein Image vor Ort und sein Ruf als Arbeitgeber, an dem jeder selbst arbeiten muss.

 

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